Politischer Aschermittwoch mit Wahlwerbung

Stellvertr. OV Stefan Schröpfer begrüßt die Gäste
SPD Waldmünchen

Dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden Stefan Schröpfer war es vorbehalten anstelle des verhinderten Vorsitzenden Stefan Wanninger die Versammlung zu eröffnen. Er begrüßte die Stadträtin und Bürgermeisterkandidatin Sandra Wittmann, den Ehrenvorsitzenden Manfred Ruhland und alle anwesenden Kandidat*innen und Gäste. „Ganz besonders freue ich mich, heute 2 neue Mitglieder begrüßen zu können und ihnen das rote Mitgliedsbuch überreichen zu können. Es ist ein starkes Zeichen, sich gerade in diesen Zeiten bewusst für unsere sozialdemokratischen Werte zu entscheiden. Unser rotes Parteibuch ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass ihr nun Teil einer starken Gemeinschaft seid, die seit über 160 Jahren für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität steht“, so Stefan Schröpfer in seiner Laudatio.

Die Bürgermeisterkandidatin Sandra Wittmann nahm die Gelegenheit wahr, für sich und die SPD-Kandidat/innen Werbung zu machen. „Die fünfte Jahreszeit ist vorbei - jetzt kommt wieder die Jahreszeit der Haushaltszahlen und Bauausschüsse. Fast genauso aufregend, nur ohne Konfetti. Und Tradition ist es auch bei uns, dass es heute kein Haudrauf geben wird. Haudrauf gibt es in der ganzen Welt genug. Und Sandra Wittmann weiter: „Obwohl, wenn wir die ganzen Debatten um Life-Style Teilzeit und Zahnarztleistungskürzungen verfolgen, da juckt es einem schon, deutlich zu werden und ich muss mich schon gscheit zam reißen, das heute ohne Kommentar zu belassen. Die Aussage von unserem Ministerpräsidenten auf seinem Instagram Post: Kandidaten der CSU haben mehr Möglichkeiten sich einzubringen, Fördermittel und Unterstützung zu bekommen - aus München, aber auch aus Berlin. Ja geht’s noch?! Das hat schon a Gschmackerl von Vetternwirtschaft, oder? Die Bürgermeisterkandidatin berichtete dann von einer Zufallsbegegnung beim Einkaufen. Ja, ich nehme mir die Zeit und höre da gern zu, was den Leuten auf den Nägeln brennt und man merkt dabei ganz genau: Diese Stadt liegt ihnen am Herzen. Und genau darum geht es bei dieser Wahl: Wie wollen wir morgen hier leben? Als Stadt in der Grenzregion haben wir, wie ich in Geigant schon gesagt hatte, eine besondere Rolle - als Brücke, als Begegnungsort, als wirtschaftlicher und kultureller Knotenpunkt. Diese Lage ist kein Rand, sie ist eine Chance, wenn wir sie aktiv nutzen. Mir, und ich denke ich spreche da für den ganzen Ortsverein, ist es wichtig: Es geht nicht um Parteibücher oder große Worte. Es geht darum, Probleme zu lösen. Unbürokratisch, transparent im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ich kann keine Wunder versprechen, aber ich verspreche etwas anderes: Ich werde zuhören. Ich werde ansprechbar sein - und es wird rote Kugeln für den Christbaum geben. Diese Wahl ist keine Formsache. Jede Stimme entscheidet mit darüber, welchen Weg unsere Stadt in den nächsten Jahren einschlägt. Ob wir verwalten oder gestalten. Ob wir abwarten oder anpacken. Eine Stadt lebt nicht nur vom Rathaus allein - sie lebt von den Menschen, die sich einbringen. Ich bin bereit. Aus Überzeugung und mit Herz. Ich bitte euch um euer Vertrauen. Und um eure Bereitschaft, weiter mitzuwirken. Geht wählen. Für unsere Stadt - für ein starkes Waldmünchen.

Der Versammlungsleiter Schröpfer erteilte dann dem Ehrenvorsitzenden Manfred Ruhland das Wort. Dieser erklärte gleich zu Anfang, dass auch er wie die Jahre zuvor seinen Beitrag am politischen Aschermittwoch nicht als Haudraufrede und Überbietungsritual angehen will, sondern einen Einstieg in eine sachliche Diskussion leisten wolle. Den ersten Teil seiner Ausführungen gliederte er in 4 Hauptunkte. Landes-, und Kommunalpolitik, Kampf gegen Rechts und Wahlkampfendspurt in Waldmünchen. Er forderte die Kandidat/innen auf: Packen wir es an! Waldmünchen kann mehr als CSU-Routine. Wir sind bereit! Ab jetzt wird gefastet, aber nicht bei der Wahlwerbung!

Wie angekündigt sprach Ruhland als nächstes 2 Themen an, die für die Menschen in Deutschland und in Waldmünchen von Bedeutung sind.
Der Vorschlag der Bundes-SPD zu einer Reform der Erbschaftssteuer stellte der Ehrenvorsitzende mit sorgfältig recherchierten Zahlen und Fakten vor. An einem Beispiel machte er die positiven Auswirkungen für die allermeisten Erben deutlich. Ein neuer Lebensfreibetrag von 1 Million Euro wird nach Überzeugung des Redners die allermeisten Erben komplett von einer Erbschaftssteuer befreien. Teurerer soll es bei vererbten Vermögen über 26 Millionen werden. Die Reform soll zunächst Mehreinnahmen im mehrstelligen Milliardenbereich generieren, die vor allem von Multimillionären und Milliardären stammen. Die Einnahmen fließen den Bundesländern zu. Deshalb ist es schon etwas auffällig, wenn sich gerade Bayern gegen eine Änderung sträubt, wo auf der anderen Seite massive Einschnitte im Sozialbereich, bei den Arbeitnehmern gefordert werden, weil angeblich kein Geld mehr da sein soll. Die SPD fordert die Verwendung von Mehreinnahmen durch die Reform der Erbschaftssteuer primär für Schulen und Bildung in Bayern zu verwenden, so Ruhland zusammenfassend zu diesem Reformpaket der SPD.

Das Reizthema Erneuerbare Energien und speziell der Bau von Windrädern bildete den 2. Themenschwerpunkt der Aschermittwochsrede von Ruhland. Der Vergleich zwischen erneuerbaren Energien, fossilen Brennstoffen und Atomkraft zeigt deutliche Unterschiede in den Bereichen Kosten, Ausbautempo und ökologischen Auswirkungen. Mit diesem Grundsatzstatement stieg der Ehrenvorsitzende in das vielschichtige Thema ein. Ein weltweiter Vergleich der Stromgestehungskosten demonstrierte Ruhland mit einer Tabelle, die unter anderem vom Frauenhofer Institut mit erstellt wurde. Laut den Zahlen kostet 1 Megawattstunde Strom erzeugt von Atomkraft 182 Doller, mit Kohle 176, mit Erdgas 139, mit Solarenergie 61 und mit Windkraft 50 Dollar. Die Windenergie war mit einer Erzeugung von 136 TWh die stärkste Stromquelle in Deutschland, gefolgt von Solarenergie (60 TWh). Erneuerbare Energien haben sich als tragende Säule der deutschen Energieversorgung etabliert. Der Anteil am Bruttostromverbrauch stieg von 6,3 % im Jahr 2000 auf 54,1 % im Jahr 2024. Die Nettostromproduktion lag 2024 nach Berechnungen des Fraunhofer ISE sogar bei 62,7 %. Mit diesen Zahlen rückte Ruhland die besondere Bedeutung der Windenergie ins rechte Licht. Den finanziellen und zeitlichen Irrweg eines Atomausbaus machte der Redner an den Beispielen in England und Frankreich deutlich: Der Neubau von Atomkraftwerken in Frankreich und England laufen bei den Finanzen und der Bauzeiten total aus dem Ruder. Frankreich: Das Beispiel Flamanville 3
Nach zahlreichen Rückschlägen wurde der EPR-Reaktor in Flamanville im Dezember 2024 in Betrieb genommen. Der französische Rechnungshof zog im Januar 2026 eine verheerende Bilanz zur Rentabilität. Statt der geplanten Bauzeit von 5 Jahren dauerte die Errichtung insgesamt 17 Jahre. Die Kostenexplosion von ursprünglich 3,3 Mrd. Euro stieg auf finale Gesamtkosten von ca. 23,7 Mrd. Euro. England: Hinkley Point C und Sizewell C In Großbritannien zeigt sich ein ähnliches Bild bei den aktuellen Großprojekten. Hinkley Point C: Die Inbetriebnahme wird aktuell für den Zeitraum 2029 bis 2031 erwartet – ursprünglich war 2017 anvisiert. Von anfangs veranschlagten 18 Mrd. Pfund sind die Schätzungen bis Januar 2024 auf bis zu 46 Mrd. Pfund (ca. 53 Mrd. Euro) angestiegen. Wer kann sich heutzutage noch hinstellen und behaupten, die Kernenergie ist die günstigste Form der Energieerzeugung? Markus Söder und einige Atomlobbyisten tun das gegen alle Fakten. Die Suppe müssen am Ende immer die Kunden und Steuerzahler auslöffeln. Bei Bauzeiten von 15 Jahren und mehr, auch wenn wir beschleunigt loslegen würden, stünde die Kapazität viel zu spät zur Verfügung. Wir brauchen viel mehr Strom bereits in den nächsten Jahren. Die Erneuerbaren können diese Mengen liefern, wenn wir jetzt im umweltverträglichen und dezentralen Maßstab loslegen, so Ruhlands Argumente gegen den wieder aufflammenden Wunsch zum Ausbau der Kernenergie.
Zur laufenden Diskussion über den möglichen Bau von Windrädern im Landkreis nahm Ruhland für den SPD-Ortsverein Stellung. In der Region Waldmünchen und dem gesamten Landkreis Cham ist das Thema Windkraft aktuell ein zentrales politisches und gesellschaftliches Diskussionsthema. Während der Landkreis eine aktive Regional-Offensive für 20 eigene Windräder verfolgt, gibt es vor Ort organisierten Widerstand. Über die Regionalwerke Landkreis Cham gKU sollen Projekte realisiert werden, die eine kommunale Wertschöpfung sicherstellen. Im Weiteren stellte Ruhland die Argumente, die für und die gegen Windräder im Landkreis sind, gegenüber. Das Ergebnis fasste der Redner zusammen: Fast alle technisch messbaren Argumente der BI sind wissenschaftlich widerlegt und können in Anbetracht der theoretischen Nachteile vernachlässigt werden. Was bleibt ist, dass manche Menschen Windräder nicht schön finden und dass sie nicht in unsere Landschaft passen. Die Meinung kann man haben. Aber die Kritiker sollten sich überlegen, wo der enorme Zuwachs des Strombedarfs in den nächsten Jahren herkommen soll. Das St. Floriansprinzip hilft hier nicht weiter.
Die Alternative ist: Wir können in Schönheit sterben und die Chancen für uns und unsere Nachkommen nicht nutzen.